Und die Kinder überleben’s [sic] auch

Eine Replik auf ein Kommentar bei diesem Artikel von “DasNuf”. Kurzfassung des Artikels: Es geht um die an der Geschlechtsachse gespiegelte Darstellung einer Familie mit stereotypischer Rollenverteilung, klassischer Firmenkultur (Teamleiter können als Vorbildfunktion nicht weniger als 40 Stunden arbeiten) und einem faternal gatekeeping (also der Vater spielt in diesem Fall den Gatekeeper, weil das ja angeblich unbewiesenerweise die Frauen machen würden, aber ist ja wie gesagt gespiegelt).

“Es soll ja durchaus Familien geben, die gar nicht so weit von diesem „Modell“ entfernt sind. 😉 Und die Kinder überleben’s auch.

Oh weia. Abgesehen davon, dass diese Thematik geschlechtsneutral sein sollte und mich diese Unterteilung in Mann und Frau bei der Eltern-Thematik nur noch nervt, sind solche Kommentare a la “Es soll ja durchaus Familien geben, die gar nicht so weit von diesem „Modell“ entfernt sind. 😉 Und die Kinder überleben’s auch.” das letzte.

Erstens die Wortwahl, Kinder überleben eine ganze Menge. In der Regel sind körperliche Gewalt, verhungern oder vergiften die einzigen Möglichkeiten das Überleben auszuschließen (Liste ist noch ein wenig verlängerbar). Man kann Kinder sehr schlecht behandeln, und sie überleben das. Also – überleben ist mir zu wenig.

Zweitens: Das bei DasNuf beschriebene Modell ist doch scheisse! Egal ob “Elter” = Weibchen oder Männchen – es ist kein wünschenswertes Modell wenn X oder Y sich ständig mit dem Arbeitgeber wegen früher abholen, Geburtstag, später kommen etc. diskutieren müssen. Ich kenne Teamleiter, Abteilungsleiter und obere Führungsebene, die das nicht müssen. Ich kenne andere Firmen in denen diese Flexibilität noch nicht mal bei normalen Angestellten wirklich möglich ist. Womit ich meine, dass es nicht an der Position liegt, sondern an der Firmenkultur.

Die Männer und Firmen haben es mehrheitlich nicht gut gemacht in der Vergangenheit (denn leider ist das beschriebene Modell garnicht mal so selten) und das Gegenmodell aus dem Jahr Ende 2015 ist: dann machen es Frauen und Firmen einfach genau so schlecht.

Wir brauchen Eltern, Firmen und Gesetzgebung, die die Erkenntnisse aus der Forschung umsetzen und flexible Arbeitsmodelle zulassen. Damit ist nicht gemeint, dass jetzt “Siemens” den Mitarbeitern Home Office erlaubt – sondern dass wir in den ganzen Dimensionen von Arbeits und Berufsleben als Gesellschaft, als Arbeitgeber, Eltern, Politikern und Kindern vom stumpfen befolgen von stereotypen wegkommen, anstatt den gleichen Mist wieder in der Mikrowelle zu erwärmen, nachdem man ein bischen Lebensmittelfarbe drüber gekippt hat.

DasNuf/Patricia schreibt über ihren Arbeitgeber und ich könnte über meinen schreiben, wo viele Wünsche wahr werden und viel Flexibilität möglich ist. Wie gesagt, es gibt zahlreiche Gegenbeispiele, wo weder die Eltern, noch die Firmen es irgendwie ins 21. Jahrhundert geschafft haben – aber es gibt auch einige wo es versucht wird.

Der Reflex es einfach den Männern und stereotypischen Artikeln aus Spiegel und anderen Medien nachzumachen und einfach die Dinge so zu akzeptieren und lediglich auf ein anderes Geschlecht zu übertragen ist wirklich zu kurz gedacht.

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