Säkularisierung Online – Wie der islamistische Terrorismus das miteinander verändert.

Ich schrieb ja über meine Computerspielabstinenz (den Satz werde ich sicher noch 1000 mal schreiben…bis ich drüber hinwegbin oder wieder zocke – sorry ey!).

Dabei spielte ich vorwiegend Arma 3, eine Militärsimulation. In der Regel King of the Hill mit 75 Spielern, je 25 pro Seite. D.h. man saß bspw. mit 10 oder 15 anderen Spielern in einem Transporthubschrauber Richtung Einsatzgebiet. Einer der Spieler flog das Ding. Eine kleine Beschreibung der Szenerie:

Der Hubschrauber donnert der untergehenden Sonne entgegen, während wir aus den Lautsprechern die Stimme des Piloten hören “We will take a jump above the AO in 30 seconds. We have no jumping height yet as we keep low due to the AA [Anti Air / Flak]. I believe we also have a Jet somewhere.” Wir sehen aus den Fenstern die vorbeihuschende Flora der an Griechenland erinnerten Scenerie, viel Sand und Stein, und Stellenweise grün. Unter uns eine Staubwolke von einem HEMTT, der offensichtlich kein Interesse an dem Helikopterflug hat. Vielleicht hat er einfach Schiss vor der Flak.

Die 10 anderen Spieler im Heli unterhalten sich. Nur albernes Zeug, wie immer. Wer den längsten hat und so. Nervös ist man vielleicht ein wenig, manche versuchen schon das dritte oder vierte Mal in die Einsatzzone zu gelangen, wurden jedoch schon mehrfach abgeschossen.

Wir bewegen uns in ca. 15 Metern Höhe auf die Zone zu, mit ca. 270 Sachen sind es jetzt nur noch wenige Sekunden. Da ertönt ein schriller Warnton, eine Flak hat ihr automatisches Zielsuchsystem auf uns gerichtet. Im nächsten Augenblick wirft der Pilot Flares ab um die Lenkrakete abzulenken. Vergeblich – entweder war es zu spät, der Winkel schlecht – wir wurden getroffen. Der Motor lässt langsam nach, wir können förmlich spüren wie aus einem Leck das Kerosin sprudelt. Die ersten springen ab – aus 15 Metern der sichere Respawn, aber scheinbar haben sie in die Fähigkeiten des Piloten kein Vertrauen.

Der Pilot zieht die Maschine steil nach oben, wir müssen 85 m steigen um tatsächlich den Fallschirm auszulösen. Wir schaffen es nicht und unter “Allahu akbar” und anderen merkwürdigen Sprüchen verabschieden wir uns aus dem Heli, spawnen neu und fangen wieder von vorne an. “Allahu akbar”?

Vor den Attentaten von Paris wäre es nicht ganz so unangenehm gewesen. Sicher, auch damals dachte ich an Selbstmordattentäter, wenn 16 jährige über den Sprechfunk beim spielen Attacken mit “Allahu akbar” einleiteten. Oder an den IS, an Terroristen. Aber es sind nun mal viele Halbstarke – und wenn nicht im Spiel, wo sonst kann sich ein wenig ausprobieren.

Kurz nach Paris war entweder meine Warnehmung geschärft oder es passierte tatsächlich deutlich öfter. Die 13-17 Jährigen (und gerne auch älter oder jünger, aber definitiv noch Stimmbruchnah oder im Stimmbruch oder noch nicht im Stimmbruch) wollen immer provozieren. Das ist nun mal so. Und das Wissen, das egal was man sagt, es keine folgenlost bleibt, nicht so wie im echten Leben, wo es auch mal eine Keilerei gibt wenn man den anderen sehr derb beleidigt, so kann man sich nach Herzenslust austoben wenn man online ist.

So auch in diesem Spiel (wobei man durchaus in Ruhe spielen kann, es hält sich also in Grenzen mit der Schimpferei). Manche nennen sich nach irgendwelchen Nazigrößen, werden dann vom Mitspieler angezeigt, vom Administrator gebannt und kommen eventuell nie wieder – andere rufen eben “Allahu akbar” und bekommen auch die Reaktion die sie wollen, nämlich entweder Schweigen, Ablehnung oder Befürwortung.

Für mich ist diese Form der Provokation unangenehm und mittlerweile anzeigewürdig, durchaus vergleichbar wenn sich ein Spieler mit Naziparolen äußert. Das geht auch anderen so. Ich bin mir sicher, dass demnächst Spieler beim Admin angezeigt werden, die sich versuchen mit Fanatikern gleichzutun, auch wenn es nur aus Provokation geschieht. Es zeigt eine stark fehlende Sensibilität, wenn das Attentat von Paris noch keine 12 Stunden her ist und die Kids anfangen “Allahu akbar” zu schreien. Ich bezweifle bei den meisten, dass sie irgendeiner Religion angehören, geschweige denn eine Moschee regelmäßig von innen sehen. Aber das kann ich natürlich nur mutmaßen.

Ich finde es erstaunlich wie etwas, was mir genauso wie viele Beleidigungen und andere Sprüche recht egal war, auf einmal aufstößt. Wo es nicht einfach Dumme-Jungen-Verhalten ist, sondern es durch den Terror eine Tiefe erhalten hat, die für mich vor einigen Wochen noch nicht so spürbar oder erahnbar war.

Auch bei dem Film – der Medicus – lief mir ein Schauer über den Rücken als der Imam und die Betenden in der Moschee laut “Allahu akbar” riefen. Der Imam sprach solche Allgemeinplätze aus, die auch heute noch gesagt werden könnten zu jeder passenden Situation bei der sich eine Gruppe unterdrückt fühlt. Muss noch nicht mal mit islamischen Hintergrund, könnte auch eine wütende Minderheit Computerspieler sein die sich polemisch ausdrückt. In jedem Fall wiegelte der Imam dort die Anwesenden auf, die dann mit Säbeln anfingen die jüdische Bevölkerung zu dezimieren.

Es ist auch insofern interessant als das der Ausdruck als solcher elementarer Bestandteil der Pflichtgebete ist, auf der Flagge des Irak, Irans und Afghanistans vorkommt – also ein alltäglicher Spruch/Ausruf ist, der nichts gewalttätiges an sich hat. Daran sieht man auch wie sehr die islamischen Terroristen ihrem eigenen Glauben schaden, ihren “Schwestern und Brüdern”, die in Frieden ihren Glauben ausüben wollen. Ist die Aussage “Ich bin Moslem” gesellschaftskonformer geworden in den letzten Jahren? Ich denke heute stoßen diese Religionsanhänger eher auf mehr Mißtrauen, Fragezeichen und Ablehnung als früher, da zigtausende Weltweit im Namen dieser Religion, mit diesem Schlachtruf Greueltaten begehen.

Das bedeutet aber auch, dass ich Schwierigkeiten habe zu differenzieren – wann ist “Allahu akbar” der normale Ausruf und wann ein Zeichen des islamischen Fanatismus? Wann kann ich es ablehnen, einen Spieler bannen oder verurteilen und wann nicht? Aus meiner Sicht kann ich pauschal verurteilen, denn weder Christ, noch Jude oder Moslem müssen in einem Computerspiel Gottes Beistand erbitten. Könnte man beispielsweise in die Serverregeln schreiben. Säkularisierung Online…irgendwie affig.

Das ist nun eine Komponente wo der internationale Terrorismus ganz subtil, ganz unscheinbar die Haltung ein wenig verschiebt, in einem entlegenen Teil. Es passiert täglich an vielen weiteren Stellen. Und auch wenn das Beispiel mit dem Computerspiel ein wenig…trivial erscheinen mag, beschäftigt es mich doch. Vor allem weil es eben aus meiner Sicht ein Platzhalter für die vielen anderen Möglichkeiten gibt, wo man nun weniger unbefangen sein kann.

 

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