Flüchtlinge Ltd. – ein kleiner Rant und “Flüchtlinge Revisited”

Der Rant

Jedes Thema hat so seine Halbwertszeit. Flüchtlinge sind für die Medien uninteressant geworden. Man kann und hat alles schon erzählt, was auch auf den ersten Blick klickwert war. Soundsoviel Flüchtlinge pro Tag, pro Woche, an einem speziellen Samstag kommen könnten, im Quartal – ich hatte ein wenig Probleme eine “pro Monatsangabe” zu googeln. Da ist also noch ein wenig Luft.

Ja – man hat es also durchgekaut und da die Flüchtlingszahlen sich ca. halbiert haben wird es einfach uninteressant darüber zu berichten. Auch wenn es bedeuten würde, wenn dieser schwächere Zustrom beibehalten würde, hätten wir 2016 trotzdem noch 1,3 Mio. Flüchtlinge. Aber das spielt keine Rolle mehr, denn wir haben jeden Schwachsinn schon dreimal gehört, und es gibt in der Kurzlebigkeit in der wir die Medien heute leben einfach kein Interesse darin, solche Dinge langfristiger zu verfolgen. Als das gibt’s schon, ist nur im Vergleich zu dem Hype zu Beginn eines solchen Themas derart schwach ausgeprägt, dass es in einem halben Jahr, wenn dann mal was dazu geschrieben im Vergleich zu dem Hype der dann tobt einfach irrelevant klein.

Ich fühle mich ziemlich gut informiert über die Reiserouten, die Anstrenungen der Flucht und einigermaßen über die Gründe. Ich weiß aber so gut wie nichts darüber, wie es danach weitergeht. Wieviel werden täglich abgeschoben, wieviele täglich anerkannt? Wie viele finden innerhalb der nächsten Monate einen Job und was ist eigentlich aus den ganzen Initiativen geworden um Flüchtlinge mit dem Arbeitsmarkt zu verkuppeln?

Initiative um Flüchtlinge und Arbeitsmarkt zu verkoppeln – seit dem Hype nichts mehr gehört und heute wieder mal besucht

Da gab es etwas vor einigen Monaten, was ich bei Deutschlandfunk gehört habe – das nannte sich workeer. Da ich wie oben angemerkt im Anschluss nichts mehr darüber gehört habe, besuchte ich die Website.

Über workeer habe ich folgendes herausgefunden: Stand heute Mittag standen 1828 Jobs 1330 Bewerbern gegenüber. Auf den ersten Blick – viele Praktika geringfügig bezahlt (400-800 Euro), ganz viel auf Stundenbasis 8.5-11,5 Euro pro Stunde und dann noch einige Jobs mit Monatsgehältern um die 2-3 Tausend Euro – und ein paar Stundenlöhne zu 15 Euro die Stunde. Nicht zu vergessen diverse Ausbildungen, mit üblichen Ausbildungsgehältern. Vieles davon interessante Jobs, manches auch Hilfskraft, auch die Praktika ganz interessant.

Seitens der Flüchtlinge viele mit 2-4 Fremdsprachen auf dem Kasten und viele die Berufserfahrung vorweisen können. Bspw. ein 22-jähriger der zertifiziert Spanisch und Deutsch A2 beherrscht (das ist noch ziemlich ausbaufähig), Türkisch B2 (das ist schon ganz ok), Englisch C1 – das reicht für eine flüssiges Gespräch und Arabisch als Muttersprache. Dieser 22-jährige in eine Ausbildung gesteckt und dann in einen Job mit internationalem Publikum…eigentlich müsste das doch der Renner sein. Ich wünsche workeer und den Suchenden wie Anbietenden noch viel Erfolg.

Eigene Betrachtung der Altersstruktur von Flüchtlingen

Was ich auch interessant fand und als etwas…zusammenfassendere Übersicht nur empfehlen kann ist die Statistik des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Schaut man sich die Verteilung in Altersgruppen an, ist sie gefühlt reziprok (im Sinne von umgekehrt) zur Altersstruktur in Deutschland. Während gut 30% der Flüchtlinge 18 Jahre oder jünger sind, bzw. 80% 35 Jahre oder jünger, so sind 45% der Deutschen über 40 Jahre alt.

Kleines Fazit – vielleicht voreilig, vielleicht zu optimistisch aber hoffnungsfroh

Verknüpft man die Altersstruktur der Flüchtlinge mit dem Arbeitsmarkt kann es nicht anders sein, finanziell und personell werden sie unserem Sozialstaat aus dem Demografieproblem heraushelfen. Wir werden pflegende Hände für die alternde Bevölkerung haben, genauso wie mehr Menschen die wieder in die Sozialkassen einzahlen. Dazu Menschen, die friedlich sind und Frieden anstreben. Die veränderungsbereit und veränderungswillig sind. Menschen, die in der Lage sind nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell zwei Welten zu verstehen. Die eine Brücke sein können zwischen Europa und den Konfliktherden dieser Welt. Die eines Tages vielleicht auch teilweise zurückkehren, und diese Länder wieder aufbauen können – und Deutschland damit die Chance heute geben mal wirkliche Entwicklungshilfe zu leisten die wirklich nachhaltig und sinnvoll ist. Und nicht zuletzt uns Deutschen die Möglichkeit geben einen Einblick in ihr Leben und ihre Kultur zu geben, so dass unser Leben dadurch bereichert wird, wenn wir sehen, dass manches auch anders geht.

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